Industriestandort Deutschland hat ein solides Fundament
DIHK-Hauptgeschäftsführer Wansleben stellt Branchenreport vor
Ungeachtet der aktuellen Krise hat der Produktionsstandort Deutschland ein solides Fundament und große Chancen für die Zukunft. Das zeigt der aktuelle Industriereport des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).
DIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Wansleben DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben erläutert die Ergebnisse:
“Unsere Befragung bei mehr als 700 Industriebetrieben und industrienahen Dienstleistern zeigt, dass die Unternehmen zwar langfristig mit tendenziell sinkenden Weltmarktanteilen deutscher industrieller Wertschöpfung rechnen; sie gehen aber auch davon aus, dass sie in rund zehn Jahren noch immer mehr als die Hälfte der Wertschöpfung ihrer Industrieprodukte hierzulande erbringen. Die anderen 50 Prozent werden von internationalen Zulieferern oder eigenen Produktionsstätten im Ausland erbracht. Bei gleichzeitig steigenden Exportvolumina dürfte damit also eine weiter steigende Industrieproduktion in Deutschland verbunden sein.
Die hohe Unternehmensdichte sowie die Vielfalt im Bereich der Industrie und der angrenzenden Dienstleister sind ein klares Standortplus: Bei der Bewertung verschiedener Standortfaktoren geben die Unternehmen der “Verfügbarkeit von Zulieferunternehmen und Dienstleistern vor Ort” nach Schulnoten eine 2,1 – der beste Wert überhaupt. Gut im Vergleich zu anderen internationalen Standorten bewerten die Unternehmen auch die IT-Infrastruktur (Note 2,3), die Rechtssicherheit (2,4), die Verfügbarkeit von Gewerbeflächen (2,5) und den sozialen Frieden (2,6).
Doch das Engagement der Unternehmen braucht politische Unterstützung. Ohne klares politisches Bekenntnis zum heimischen Produktionsstandort ist langfristig wettbewerbsfähige Industrie in Deutschland kaum möglich. Die Unternehmen geben – jenseits der Krisenaktivitäten – der industriebezogenen Wirtschaftspolitik allerdings gerade einmal die Note 3,6. Hauptkritikpunkt: Ein zu engmaschiges umwelt-, sozial oder verbraucherschutzpolitisches Regelwerk aus Berlin und Brüssel ist gerade nicht geeignet, dass sich der Industriestandort Deutschland festigt und modernisiert.
Eindeutig nicht wettbewerbsfähig sehen die Unternehmen das deutsche Steuerrecht. Es ist zu kompliziert und hat strukturelle Webfehler (z.B. Zinsschranke, Mantelkaufregelung, Funktionsverlagerungen). Es ist ihrer Ansicht nach “mangelhaft” – und sie sehen hier dringenden Handlungsbedarf.
Weitere Bremsklötze sind die strukturell zu hohen Energiekosten und das unflexible Arbeits- und Tarifrecht (beide 4,1). Eine Hürde ist auch der Fachkräftemangel (3,6). Hier bedarf es entscheidender bildungs- und zuwanderungspolitischer Weichenstellungen. Die aktuelle Situation in der Krise darf nicht die Orientierung für langfristige Politik sein.
Infolgedessen haben auch zwei von zehn Unternehmen durchaus eine Auslandsverlagerung von Teilen ihrer Produktion im Auge. Bei den Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern sind es – aufgrund ihrer größeren internationalen Verflechtung – sogar 40 Prozent. Und wer einmal fort ist, kommt nicht so ohne Weiteres wieder zurück: Ein aktuelle DIHK-Umfrage zu den Rückverlagerungsplänen deutscher Industrieunternehmen zeigt, dass nur vier Prozent der im Ausland engagierten Unternehmen für dieses Jahr Rückverlagerungspläne haben. Das zeigt: Die Politik muss jede sinnvolle Chance nutzen, um Produktion in Deutschland rentabel zu halten und ausländische Investoren anzulocken.”
Quelle / Vollständiger Bericht: IHK
















